APRIL/MAI 2026

JAN FREITAG Meilen- steine 1823 In St. Georg kombinieren Wundärzte medizi- nische Praxis und Forschung 1871 Hamburgs Hospitäler werden von Ärzten statt Offizieren verwaltet 1882 Das Patent für medizinische Pflaster von Paul C. Beiersdorf werden erteilt und das Un- ternehmen Beiers- dorf gegründet 1889 Gründung des späteren UKE 1892 Cholera- Epidemie 1895 Der Glasblä- ser C.H.F. Müller industrialisiert die Röntgenstrahlung 1900 Gründung des späteren Bern- hard-Nocht-Insti- tutes für Tropen- medizin (BNITM) 1919 Heinrich Albers-Schönberg wird erster deut- scher Radiologie- Professor 1933 Die Arisie- rung von For- schung und Lehre stoppt Hamburgs medizinischen Aufstieg 1961 Pipetten- Revolution als Grundstein des Erfolges der Eppendorf SE von 1945 1979 Olympus kauft Winter & Ibe und macht Ham- burg zum Endos- kopie-Cluster 2003 SARS- Entdeckung am BNITM 2004 Gründung des Netzwerkes Life Science Nord Historische Reklame von Beiersdorf, mit der das Unternehmen für Creme und Seife von NIVEA wirbt. dorf eine Firma gegründet, die Maßstäbe setzen sollte: Mit einer neuartigen Kombination aus Exper- tise und PR ebnete sein Nachfolger Oscar Troplowitz den Weg zum Konsumgüterkonzern, dessen Pro- dukte von Nivea bis Hansaplast buchstäblich für sich selbst sprachen. Und nebenbei für Hamburg als Hot- spot gesundheitsspezifischer Wirtschaftszweige, neudeutsch „Health Tech“. Von Nationalsozialismus und Weltkrieg unterbrochen, ging deren Siegeszug nach 1945 weiter. Wie so oft imUKE-Umfeld, hat die Eppendorf SE seinerzeit wegweisendes Gerät vom Reizstromgenerator über die Kolben- hubpipette bis hin zur präzisen Ana- lyseautomatik erfunden. Weil der Wandsbeker Endoskopie-Spezialist Winter & Ibe seit 1954 zu einem der Weltmarktführer minimalinvasiver Diagnostik wurde, ist die Stadt somit auch im labortechnischen Sektor füh- rend – was die Übernahme von W & I durch Olympus 1979 sogar noch stei- gern konnte. Die wichtige Dependance des ja- panischen Konzerns, dazu Krankenhausbetriebe wie Asklepios, Medizintechniker wie Weinmann, Phar- mazweige wie AstraZeneca und natürlich Dutzende Start-ups wie das Telehealth-Portal TCC oder die radiologische Software-Schmiede FUSE-AI: Gemein- sam mit den Platzhirschen UKE und Beiersdorf tra- gen fast 200 000 Fachkräfte 14,5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung zum lokalen Inlandsprodukt bei (lautWifOR-Studie aus demJahr 2023). Gut zehn Prozent der städtischenWirtschaftsleis- tung – das liegt auch am Cluster für Medizintechnik, Biotechnologie, Pharma und Digital Health, den Ham- burg 2004 gemeinsammit Schleswig-Holstein geschaf- fen hat. Rund 600 Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute sind aktuell bei Life Science Nord vernetzt. Es ist ein weiteres Biotop im Ökosystem „kurzer Wege, vieler Ta- lente, starker Infrastruktur und wirt- schaftlicher Stärke“, das FUSE-AI-Ge- schäftsführer Matthias Steffen 15 Jahre späterdieGründung vereinfachte. Selbst in den USA, weiß der TCC- Gründer Christian Storm aus seiner langjährigen Arbeit an der Johns Hop- kins Universität, ist die Stadt „als inno- vativer Health-Tech- und Life-Science- Standort bekannt“. Dazu wurde sie aus Sicht des Life-Science-Nord-Sprechers Jan Phillip Denkers „durch ein Zusam- menspiel historischer Erfahrungen, der Hafen- und Handelslogik, akade- mischer Spezialisierung, unternehme- rischer Innovation sowie gezielt betriebener Cluster- und Innovationspolitik im Bereich Life Sciences im neuen Jahrtausend“. All dies nahm 1892 seinen An- fang, als ein kleines Bakterium der Handelsstadt den Weg zur Gesundheitsmetropole ebnete. Weil der Platz im 14 Jahre zuvor gegründeten Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin nicht mehr ausreichte, wurde der Architekt Fritz Schumacher mit diesem Neubau beauftragt, der 1914 eingeweiht wurde. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 58 ZEIT REISE FOTOS: BNITM, BEIERSDORF AG

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz