APRIL/MAI 2026
Vom kleinen Keim zur Gesundheitsmetropole So tödlich die Cholera 1892 auch war: Sie half Hamburg auf demWeg von der Handels- stadt zum gesundheitswirtschaftlichen Standort. Eine Zeitreise. Zur Bekämpfung der Cholera-Epidemie 1892 richtete die Stadt unter anderem Wasserkochstationen wie hier in der Neustädter Straße ein. Trink- und Abwassersystem, sondern auch in die medizinische Versorgung. Letztere galt bis dahin entweder als privates Privileg der Wohlhabenden oder als staatliches Almosen fürMittellose. Vor Robert Kochs Entdeckung diverser Keime waren demnach auch Hamburgs Hospitäler Armen- häuser, in denen die Unterschicht eher verwahrt als behandelt wurde. Das änderte sich erst mit einer Re- volution: 1889 eröffnete in Eppendorf das Neue All- gemeine Krankenhaus (NAK). Anders als im preußi- schen Altona wurdenHamburgs Kliniken zwar zuvor schon von Ärzten statt Offizieren geleitet. Doch die- ses Haus betrat auch bauliches Neuland. Verteilt auf 55 licht- und luftdurchflutete Pavillons, förderte das spätere UKE unter anderem W as zu wahrer Größe führt, ist oft mikro- skopisch klein. Dem Handelsplatz Ham- burg etwa verhalf ein winziges Bakterium auf den Weg zur globalen Gesundheitsmetropole. „Vibrio cholerae“ verursachte 1892 die schwerste Epidemie seit Pestzeiten. Knapp 9000 Menschen fie- len der Cholera zum Opfer. Es war ein menschliches Dramamit ökonomischer Folgewirkung. Denn durch die Abriegelung ganzer Viertel ver- lor die Hansestadt ihren guten Ruf als sicherer Welt- hafen. Jahrelang machte der internationale Schiffs- verkehr einen großen Bogen um die Stadt. Gesund- heit, so zeigte sich, ist einWirtschaftsfaktor. Mit Fol- gen für Produktivität und Arbeitskraft. Um beides zu erhalten, investierte der Senat also nicht nur ins HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 56 FOTOS: E. DAMM-SHMH/MHG, UKE ZEIT REISE
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