APRIL/MAI 2026
MARINA FRIEDT Tabuthema interne Gewalt Konflikte im Unternehmen sind Energie- und Ressourcenfresser. Hohe Krankheitstage und Fehlerraten trüben den Erfolg. Ansätze zur Lösung dieses Problems zeigt der Gesundheitstag am 27. April in der Handelskammer. Der 20. Gesund heitstag der Ham burger Wirtschaft findet am Montag, 27. April, von 9 bis 15 Uhr in der Han delskammer statt und trägt den Titel „Respekt. Sicher heit. Gesundheit. Umgang mit Gewalt im Betrieb“. Um 10 Uhr werden drei Firmen, die sich be wusst zum Thema Konfliktmanage ment „outen“ und damit Vorbild für die Branche sind, mit dem Hambur ger Gesundheits preis ausgezeich net. Die Ver anstaltung ist kos tenfrei. Anmeldun gen und weitere Infos unter www. handelskammer- hamburg.de/gt-26 . Am 5. November folgt in der Han delskammer eine Veranstaltung der ArbeitsschutzPart nerschaft Hamburg über interne Kon flikte. Informa tionen sind bei Petra Versemann von der Handels kammer erhältlich (petra.versemann@ handelskammer hamburg.de) . Dr. Amina Özelsel von hanza resources wird im April Gast beim Gesundheitstag in der Handelskammer sein. Und deshalb spricht das hanza-Team imArbeits- kontext lieber von „Konfliktbearbeitung“ und ent- sprechend von „Medianden“ oder „Konfliktparteien“. Für die Mitarbeitenden ist es hilfreicher zu sagen „Es gibt einen Konflikt, ein System, das sich ungünstig verhakt hat“. „Aber jeder im System ist auch ermäch- tigt, mit seinem Beitrag das System zu verändern“, erklärt Özelsel. Wichtige Arbeitselemente sind für die psycho- logischen Fachkräfte die Vorgespräche, das aktive Zuhören auf Augenhöhe, die Zielvereinbarungen und Folgegespräche (Follow-ups). Am Anfang des Auf- arbeitungsprozesses steht die Entscheidung, wer an derMediation teilnehmen sollte. Freiwilligkeit und Neugierde sind die Grund- voraussetzung für eine Lösung. Je höher die Bereit- schaft, desto eher sei die Arbeit von Erfolg gekrönt, berichtet Amina Özelsel. „Wenn es gelingt, eine Gruppe zum aktiven Zuhören zu bringen, die Kommunikation zu verlangsamen und Vereinba- rungen für die Zukunft festzule- gen, dann wirkt die Situation im Raum fast magisch.“ Um die vereinbarten Ziele zu erreichen, ergebe es auch Sinn, Führungskräfte mit ein- zubeziehen – vor allem, wenn die Probleme in den unterenAb- teilungen mit Herausforderun- gen in der Chefetage zusam- menhängen, etwa mit mangeln- der Entscheidungsfreudigkeit. Scheitert eine Mediation, gilt es eventuell, unbequeme Entscheidungen zu treffen, wie die Kontrahenten getrennt wer- den können. Zunächst kann eine Versetzung helfen, eine Kündigung hingegen ist nur die letzte Maßnahme. „Aber schöner für alle Beteiligten ist es, wenn sich die Konflikte durch einen Mediationsprozess auf- lösen lassen“, meint Özelsel. W er von Gewalt imBetrieb spricht, denkt oft zuerst an körperliche Übergriffe. Ausgren- zungserfahrungen, sexuelle Anzüglich- keiten und Beleidigungen treten jedoch viel häufiger auf – das belastet dieMitarbeitenden, senkt nachweis- lichderenLeistung und steigert ihre Fehlzeiten. Hilfe beim Konfliktmanagement bieten hier Firmen wie das Hanseatische Zentrum für Arbeits- medizin (hanza) an, bei dessen Psychologiepartner hanza resources sieben festangestellte psycholo- gische Fachkräfte arbeiten. Zur Klientel zählen bei- spielsweise Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtun- gen, denn in zentralen Notfallambulanzen kam es in letzter Zeit vermehrt zu Auseinandersetzungen zwi- schen Personal und Patienten oder Angehörigen und in Pflegeheimen zu Übergriffen. Nach Vorfällen dieser Art wird hanza resources beauftragt, Mitarbeitende oder Teams in Einzel- oder Gruppenberatung zu betreuen. „Individuelle Angriffe sind die Minderheit; häufiger sind es psychologische Belastungen, die ganze Teams betreffen“, er- klärt die geschäftsführende Ge- sellschafterin Dr. Amina Özel- sel, die beim Gesundheitstag am 27. April in der Handels- kammer an einer Fachrunde mit dem Titel „Interne Gewalt – wir sehen hin und handeln!“ teilnimmt. Es kursieren viele Namen, der Bekannteste ist Mobbing. Diesem Wort begegnet man in der Psychologiepraxis mit einer gewissen Hassliebe. Es sei zwar wichtig, dass es einen Begriff und durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) seit 2006 gesetzliche Regelungen zumindest gegen manche Formen vonMobbing gebe, soÖzelsel. Gleich- wohl passe dieser Begriff für die meisten Fälle nicht: „Weil er von einemstrengen ,Täter-Opfer‘-Bild ausgeht – was in der Realität oft nicht zutrifft, weil im System jeder eine Rolle spielt.“ HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 54 FOTO: VITTORIA MANTA GESUNDHEITS TAG
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