APRIL/MAI 2026

Grenzen überwinden Die Gesundheitswirtschaft zählt zu Hamburgs wichtigsten Zukunftsbranchen. Doch damit sie ihr Potenzial ausschöpfen kann, müssen die Grenzen zwischen Arztpraxis, Klinik und Pflege durchlässiger werden. Versorgung Im Jahr 2023 standen in Ham- burg 12 846 Kran- kenhausbetten bereit – 697,3 Betten je 100 000 Ein- wohner, so eine Studie des WifOR Institute von Au- gust 2025. Im EU- Durchschnitt sind es laut Eurostat rund 511. Mit 73,4 Hausärztinnen und Hausärzten pro 100 000 Einwohner (Stand: Ende 2025) be- legt die Hanse- stadt zudem Rang zwei im Bundes- vergleich. Telemedizin als Brücke zwischen den Sektoren: Das Hamburger Unternehmen TCC vernetzt Kliniken, Praxen und P egeein- richtungen per Telekonsil – mit KI-gestütztem Austausch von Befunden, Röntgenbildern oder EKG-Daten. Operationen, die in anderen Industrienationen über- wiegend ambulant erfolgen, werden in Deutschland fast ausschließlich stationär durchgeführt. Gleich- zeitig erschweren die Sektorengrenzen die Zusam- menarbeit zwischen Praxen, Kliniken, Pflege und Rehabilitation. Die Folgen harter Trennungen Für Patientinnen und Patienten entstehen durch die getrennten Bereiche oft Brüche im Behandlungsver- lauf, etwa beim Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Weiterbehandlung. Entlassbriefe errei- chen Haus- oder Facharztpraxen häufig verspätet, wichtige Befunde fehlen. Auch Anschlussbehandlun- gen, Reha-Maßnahmen oder häusliche Pflege lassen sich oft erst nach der Entlassung organisieren. John Afful, Vorstandsvorsitzender der Kassen- ärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), nennt ein H amburg versteht sich als einer der führenden Gesundheitsstandorte Deutschlands. Rund 193 600 Menschen arbeiteten 2023 in der Branche – von Kliniken und Praxen über Medizin- technikunternehmen bis hin zu digitalen Gesund- heitsdienstleistern (siehe Seite 30). Um ihr Potenzial auszuschöpfen, müssen jedoch einige Weichen neu gestellt werden, so das neue Gesundheitspapier der Handelskammer (siehe Seite 34). Dazu gehöre auch, die historisch gewachsenen Grenzen zwischen am- bulantemund stationäremSektor zu überwinden. Tatsächlich gilt das deutsche Gesundheits- system im internationalen Vergleich als stark sekto- risiert. Ambulante und stationäre Versorgung unter- liegen unterschiedlichen Planungs-, Zulassungs- und Vergütungsstrukturen. Fehlsteuerungen sind die Folge, wie eine Regierungskommission zur Kranken- hausversorgung schon im Mai 2024 kritisierte: Viele HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 52 FOTOS: TCC GMBH, KV HAMBURG SEKTOREN TRENNUNG

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