APRIL/MAI 2026
Gemein- sam für Gesundheit Wie wichtig Prä- vention ist, hat auch die Politik erkannt. Für Prä- ventionsmaßnah- men können Be- triebe pro Jahr und Beschäftig- tem bis zu 600 Euro steuerfrei aufwenden. Auf Grundlage des bundesweiten Präventionsgeset- zes von 2015 hat Hamburg 2016 zudem eine Lan- desrahmenverein- barung (LRV) zur Gesundheitsför- derung mit den Sozialversiche- rungen geschlos- sen ( www.t1p.de/ LRV-Gesundheit ) . Einbezogen ist unter anderem die Arbeits- schutzPartner- schaft, die seit 2005 Gesund- heit und Sicher- heit in Betrieben fördert – etwa mit dem Arbeits- schutzhandbuch ( www.t1p.de/AS- Handbuch ). Bei der Prävention und der Umset- zung der LRV werden die Kran- kenkassen seit 2024 vom GKV- Bündnis für Ge- sundheit unter- stützt. Frank Fiedler, Geschäftsführer der Motio GmbH Hamburg Michael Gümbel, Geschäfts- führer PAG Perspektive Arbeit & Gesundheit KERSTIN KLOSS ken. In der Praxis hat es sich laut Geschäftsführer Michael Gümbel bewährt, dafür eine Person zu be- nennen und zu schulen – und zusätzlich die Füh- rungskräfte einzubinden. „Es kann auch sehr hilf- reich sein, externe Unterstützung hinzuzuziehen, um den Prozess zu begleiten, Befra- gungen und Workshops durchzufüh- ren“, sagt er. BGM-Expertise einholen Gesundheitsschutz zählt zur Fürsor- gepflicht des Arbeitgebers. Ein geziel- tes betriebliches Gesundheitsma- nagement (BGM) trägt wesentlich dazu bei, verringert Ausfallzeiten und erhöht häufig die Produktivität. Auf BGM spezialisiert ist etwa die Motio GmbHHamburg. „Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben häufig kein betriebliches Gesundheitsma- nagement, sondern nur Einzelmaß- nahmen“, beobachtet Geschäftsführer Frank Fiedler – vom Azubi-Programm über Gesundheitstage bis hin zumWorkshop zur Stressbewältigung. Anders als eine solche punktuelle betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist BGM ein klar struk- turiertes Projekt, das nachhaltig aufgesetzt werden sollte – „mit Steuerkreis, definierten Zielen, festem Zeit- und Budgetrahmen sowie Kennzahlen, um die Wirkung zu messen“, erklärt Fiedler. Je nach Be- triebsgröße sollte der Steuerkreis die Unterneh- mensleitung und Personalabteilung, den Betriebsrat, die Arbeitsmedizin und -sicherheit, den Datenschutz und Gleichstellungs- beauftragte berücksichtigen. Unterstützung bietet auch die BGF-Koordinierungsstelle der gesetz- lichen Krankenkassen. Als Ansprech- partner der Hamburger Filiale erläu- tert Michael Henningsen: „Wir wollen das Einfallstor für Unternehmen sein, um sich mit dem Thema Gesundheit zu beschäftigen.“ Für eine kostenlose Orientierungsberatung können Fir- men per Online-Fragebogen angeben, welche Themen sie behandeln möch- ten: Arbeitsorganisation, Bewegung, gesunde Ernährung, Stress, Strukturthemen oder Suchtprobleme. Vor allem KMU benötigen Hennigsen zufolge Orientierung beim Thema Gesundheit, um so auch attraktiver auf dem Arbeitsmarkt zu werden – vom IT-Unternehmen, dessen Software-Entwickelnde den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen, bis zum Pfandhausmit gewaltbereiter Kundschaft. „Bei IT-Mitarbeitenden geht es darum, eine be- wegte Arbeitsunterbrechung mit Übungen einzu- bauen“, sagt Henningsen, „vielleicht gemeinsam mit Kollegen im Nachbarbüro oder über digitale Anwen- dungen im Homeoffice.“ Das Pfandhaus wiederum hat sich mit Unterstützung der BGF- Koordinierungsstelle intensivmit dem Thema Gewalt auseinandergesetzt und danach mit den Mitarbeitenden ein Deeskalationstraining absolviert. „Wir wollen das Thema voranbringen und arbeiten deshalb auch mit der Handelskammer zusammen“, sagt er. Unterstützung durch die Kammer Beim Aufbau eines BGM unterstützt die Handelskammer Mitgliedsunter- nehmen etwa durch Veranstaltungen, Checklisten und Broschüren über An- gebote zur Bewegungsförderung oder psychische Belastungen bei der Arbeit (Download unter www.handelskammer-hamburg. de/bgm ). Außerdem bildet die HKBiS, der Bildungs- Service der Kammer, BGM-Manager für ganz- heitliches und nachhaltiges Gesundheitsmanage- ment imBetrieb aus. „Man lernt, wie ein BGM-Projekt funktioniert, welche Strukturen wichtig sind und welche Hinder- nisse es gibt“, sagt Motio-Experte Fiedler, der die sechstägigen Zertifikatslehrgänge leitet. Als mög- liche Hindernisse der BGM-Implementierung sieht er, dass die Geschäftsleitung nicht hinter dem Pro- jekt steht, das Budget knapp ist oder interne Organisationsverantwortliche zu wenig Zeit bekommen. Für wesent- lich hält er, zuerst die Situation imUn- ternehmen genau zu analysieren, dann Gesundheitsleitlinien aufzu- bauen und gezielt Maßnahmen abzu- leiten. Die Kammer ist auch Gründungs- mitglied der ArbeitsschutzPartner- schaft Hamburg. Dort engagiert sie sich gemeinsam mit der Handwerks- kammer, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, dem Amt für Ar- beitsschutz und weiteren Akteuren bei Aufklärungskampagnen, Projekten und Veran- staltungen. Geschäftsstellenleiterin Heike Klamroth verweist zudem auf das Arbeitsschutzhandbuch (siehe Randspalte): „Damit können sich Betriebe, die bei dem Thema ganz am Anfang stehen, einen Über- blick verschaffen.“ WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 51 GESUNDHEITS MANAGEMENT . - .
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