APRIL/MAI 2026
Umfragen & Studien Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat 2023 gemeinsam mit dem Medizintech- nik-Netzwerk Me- dicalMountains und dem Indus- trieverband Spec- taris eine Umfra- ge zu den Auswir- kungen der MDR durchgeführt. Download (PDF): www.t1p.de/dihk- mdr-umfrage Eine Studie zum Thema MDR legte das Bundeswirt- schaftsministe- rium im Sommer 2025 vor: www. t1p.de/bmwe- mdr-studie Ein DIHK-Impuls- papier zum Büro- kratieabbau im Gesundheitswe- sen erschien im Mai 2023: www. t1p.de/dihk-im puls-gesundheit Allgemeine DIHK- Vorschläge zum Thema (2024): www.t1p.de/dihk- buerokratie abbau-2024 Gunar Liebau, Geschäftsführer von LiEBAU orthopädietechnik ANTJE THIEL etwa TÜV oder Dekra – oft Kapazitä- ten fehlten, kam es dort zudem häu- fig zu Zeitverzögerungen. Die Kritik von Branchenverbän- den und der DIHK in Brüssel zeigte Wirkung: Ende 2025 legte die EU- Kommission einen MDR-Revisions- vorschlag vor. Schulte bewertet ihn vorsichtig positiv: „Klare Fristen für Konformitätsverfahren, Abschaf- fung der Rezertifizierungspflicht, stärkere Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen, Digitalisierung von Prozessen – das sind gute Ansätze.“ Dennoch rechnet er nichtmit schneller Besserung. Im Dschungel der Formulare Bürokratische Hürden betreffen auch Hilfsmittel wie OrthesenundBandagen –mit direktenKonsequenzen für Betriebe und ihre Kundschaft. „Wir erleben ein Vertragswirrwarr statt Versorgungssicherheit“, sagt Gunar Liebau. Der Geschäftsführer der LiEBAUortho- pädietechnik GmbHmit über 20Niederlassungen, da- von fünf inHamburg, engagiert sich als Vorstandsmit- glied bei der Innung für Orthopädie-Technik Nord. Wer Versicherte aller Krankenkassen bundesweit ver- sorgen möchte, müsse rund 700 Versorgungsverträ- gen beitreten. „Stürzt ein Tourist aus Sachsen mit Krankenkasse X in Hamburg und benötigt eine Sprunggelenkorthese, dürfen wir ihn nur versorgen, wenn wir mit genau seiner Krankenkasse einen Ver- trag inder entsprechendenProduktgruppe haben.“ Der Verwaltungsaufwand endet dabei nicht mit demVertragsbeitritt. „Jeder Vertrag unterscheidet sich im Detail. Unterschiedliche Formulare, unterschiedli- che Dokumentationsanforderungen – obwohl inhalt- lich oft das Gleiche verlangt wird.“ Selbst digitale Pro- zesse seien häufig von Medienbrüchen geprägt. „Man- che Krankenkassen verlangen Unterlagen, die uns digi- tal vorliegen, zusätzlich in Papierform. Dort werden sie eingescannt, weil es bis heute keine durchgehend kom- patibleDigitalisierung gibt“, kritisiert Liebau. Die Folge: „Rund 30 Prozent unserer Arbeitszeit fließen mittlerweile in Bürokratie“, sagt Liebau. Diese Zeit fehle in Werkstatt und Versor- gungsraum. Noch ließen sich län- gere Wartezeiten oft vermeiden, „doch das Systemarbeitet amLimit“. Die Konsequenzen könnten die Pa- tientenschaft unmittelbar treffen: „Verzögerungen in der Hilfsmittel- versorgung bedeuten oft auch eine verzögerte Rückkehr in den Beruf oder unnötig verlängerte stationäre Aufenthalte.“ Die Entwicklung wirke sich zu- dem auf die Fachkräftelage aus. „Wer Orthopädietechniker wird, entscheidet sich bewusst für die Ar- beit amMenschen. Wenn jedoch im- mer mehr Zeit am Schreibtisch statt am Patienten verbracht wird, ent- steht Frust“, mahnt Liebau. Nicht wenige qualifi- zierte Fachkräfte kehrten demBeruf den Rücken. Auch in den Hamburger Krankenhäusern äch- zen Fachkräfte, die sich eigentlich dermedizinischen Versorgung widmen möchten, unter bürokratischen Pflichten – insbesondere dem Zwang, selbst kleinste Details einer Behandlung penibel festzuhalten. „In Altona, einem Haus mit 1700 Beschäftigten, arbeiten pro Jahr knapp 100 Ärzte und 300 Pflegekräfte aus- schließlich für Dokumentation“, erklärte Asklepios- CEO Joachim Gemmel die Lage Ende 2025 anlässlich der Präsentation des Strategiepapiers der Kammer „Gesundheitsstandort Hamburg 2040“ (siehe www. hw-mag.de/pp-gesundheit und Seite 34). Der Bürokratieabbau ist der Kammer seit jeher ein Anliegen. Bei Fragen, die nur auf EU-Ebene zu klären sind, setzt sie sich in Brüssel über die DIHK für die Interessen derWirtschaft ein. Ein Problem ist allerdings hamburgspezifisch: die Aufteilung der ge- sundheitswirtschaftlichen Zuständigkeiten auf drei Behörden. Eine Bündelung der Themen unter einem Dach sei wünschenswert, „umdie Rahmenbedingun- gen bestmöglich und aus einem Guss zu gestalten und der großen Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs Rechnung zu tragen“, erklärt das Papier. BÜROKRATISCHE LASTEN
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