April / Mai 2020
Eine Cholerabaracke in Hamburg im Jahr 1892. Die Epidemie damals in der Hansestadt war der letzte große Aus- bruch dieser Seuche in Deutschland C M Y CM MY CY CMY K 185mmx128mm_Niederrhein.pdf 1 11.02.2020 14:17:17 bettelarmen Opfer allenfalls Achselzucken hervor gerufen hatten, führte das letzte Aufbäumen der europäischen Cholera aus Sicht Pelcs an der Elbe nämlich zu zweierlei: zu einem beispiellosen Bauboom, in dessen Zuge die beengten Armen quartiere der Innenstadt durch luftigere Bebauung ersetzt wurden, vor allem aber zur Errichtung einer funktionierenden Frischwasserver- und Abwasser entsorgung. Während der britische Ingenieur William Lindley, über den Ortwin Pelc in seiner Zeit am Museum für Hamburgische Geschichte geforscht hat, die örtliche Kanalisation nach dem Großen Brand von 1842 nur in vermeintlich besseren Vier teln errichtet hatte, ist diese nach der Cholera epidemie 50 Jahre später zusehends vollendet wor den. Mehr noch: Infolge der Verheerungen erhielt Hamburg nicht nur sein Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, sondern eine völlig neue Infra struktur mitsamt der ersten Müllverbrennungs anlage Deutschlands, die ab 1893 am Bullerdeich entstand. Und von alledem profitierte besonders das ökonomische Herz der Hansestadt: der Handel. Zuvor hatten nämlich viele Häfen in aller Welt Hamburgs Schiffen aus Angst vor Infektionen die Einfahrt verwehrt. Nun half ausgerechnet ein Bakterium dabei mit, die alte Hansestadt zum Gewinner der globalisierten Neuzeit zumachen. So wie heute wieder diskutiert wird, ob die Corona-Pandemie auch ihr Gutes habe, ob die Soli darität mit Schwächeren, die Entbehrungen zum
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