FEBRUAR/MÄRZ 2026

Marktplatz Auf dem „Markt- platz der Begeg- nungen“ können sich Arbeitssu- chende mit ersten Deutschkenntnis- sen und Betriebe ungezwungen kennenlernen. Nächster Termin: 19. Mai. Anmel- dung unter www. handelskammer- hamburg.de/ marktplatz ASM Die 2007 ge- meinsam mit der Handelskam- mer gegründete „Arbeitsgemein- schaft selbststän- diger Migranten e.V.“ unterstützt Unternehmen und Existenz- gründungen von Menschen mit Einwanderungs- geschichte. Sie fördert zudem die Qualifizierung von Frauen und die Integration von Familien, bietet einen Azubi- Stammtisch und berufsvorberei- tende Trainings, berät und vermit- telt migrantische Auszubildende (KAUSA). Infos: www.asm-hh.de Mohammad Asef Naja (li.) ist einer der Auszubildenden von Murat Akpınar, der die Jet-Tankstellen auf der Veddel und in der Amsinckstraße betreibt. FELIX SCHOEN beratungen durchgeführt und 111 Jugendliche ver- mittelt, so Projektleiterin Arzu Pehlivan. Dafür ar- beite die Einrichtung eng mit der Jugendberufsagen- tur und der Handelskammer zusammen. „Aber wir gehen vor allem in migrantische Communitys, geben mehrsprachige digitale Info-Abende für Eltern und nutzen intensiv unsere Unternehmensnetzwerke.“ Zu den weiteren Aktivitäten von ASM zählen etwa auch ein umfangreiches Ausbildungscoaching zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen oder die Vermittlung an Rechtsberatungsstellen wie die „Law Clinic“ der Bucerius LawSchool. Die Ratsuchenden bringen dabei ganz unter- schiedliche Voraussetzungen und Probleme mit. „Viele sind in den vergangenen zehn Jahren einge- reist, das Sprachniveau reicht von A2 bis B2“, sagt Pehlivan. „Aber etwa 60 Prozent der Menschen, die wir beraten, sind hier geboren. Die können meist perfekt Deutsch, aber sind oft schulmüde und haben dann vielleicht 120 Fehlstunden. Oder sie haben die Schule verlassen und ein paar Jahre gejobbt. Dann kommen sie zu uns und sagen: ,Ich will heiraten, ich brauche einen festen Job, was kann ich tun?‘ Manch- mal müssen wir auch erklären, dass man als TikTok- Influencer vielleicht nicht die besten Chancen hat...“ Chancen im Einzelhandel Illusionen oder Schulfrust lassen sich am wirkungs- vollsten bekämpfen, wenn reale Perspektiven gebo- ten werden – und hier kommen die Betriebe zum Zug. „Auch bei Menschen ohne Schulabschluss oder mit schlechten Deutschkenntnissen sagen manche Unternehmer: Ich nehme den, ich brauche den, ich gebe ihm eine Chance“, freut sich Pehlivan. Das lohne sich meist für beide Seiten. „Es ist unglaublich, wie diese Jugendlichen aufblühen! Berufsmotivation ist eine der wichtigsten Motivationen, die es gibt, und die Jugendlichen entdecken dann andere Potenziale an sich, gehen vielleicht anders mit Kunden um, wer- den selbstständig und bereichern das Team.“ Rund 85 Prozent der vonKAUSA vermittelten jun- genMenschen findeneine Lehrstelle imEinzelhandel. Zum Beispiel bei Murat Akpınar, der seit 2009 zwei Jet-Tankstellen in Hamburg betreibt: „Seit ich 2012 meinen Ausbilderschein erworben habe, haben wir rund 50 junge Menschen ausgebildet“, berichtet der Unternehmer, der 1996 aus der Türkei nach Deutsch- land kam. „Da waren alle möglichen Nationen dabei.“ Für ihn ist wichtig, ob jemand tatsächlich Interesse hat und sich engagiert. „Zu Anfang bieten wir den Ju- gendlichen meist ein Praktikum oder eine Einstiegs- qualifizierung an, bis zu sechs Monate. So sehen sie auch, wie es bei uns ist und ob es ihnen gefällt.“ Gutes Deutsch sei dabei anfangs nicht entschei- dend: Dank des ständigen intensiven Kundenkontak- tes im Tankstellenshop seien die Sprachprobleme meist bald bewältigt, bei Bedarf organisiere er auch Sprach- und Nachhilfeunterricht, etwa über ASM. Generell sei es ihm wichtig, ein offenes Ohr für Pro- bleme zu haben: „Wir erleben oft, dass sich Jugendli- che nicht konzentrieren können, weil sie sich Sorgen machen. Weil in ihrem Heimatland Krieg ist und sie Angst um ihre Familie haben. Oder weil sie Angst ha- ben, zurückkehren zumüssen.“ So wie Mohammad Asef Najafi, den Akpınar seit einem Jahr zumVerkäufer ausbildet. „Ich bin von Af- ghanistan über den Iran, die Türkei und Griechen- land nach Deutschland geflohen“, erzählt der 28-Jäh- rige. „Zu Covid-Zeiten war ich mit Zehntausenden anderen im Flüchtlingslager Moira auf Lesbos unter- gebracht. In Deutschland habe ich keinen Aufenthalt gekriegt, ich soll nach Griechenland zurück.“ Auch dank des Engagements von Akpınar gelang es ihm, eine „Ausbildungsduldung“ zu erhalten: Bis Ende 2026 ist Mohammad Asef Najafi voraussichtlich vor einer Abschiebung geschützt. „Ich hoffe, dass ich da- nach noch ein Jahr mit einer Ausbildung zum Kauf- mann dranhängen kann“, sagt er. „In Afghanistan oder Griechenland hätte ich keine Chance.“ Chancen zu bieten, ist für Akpınar selbstver- ständlich. „Ob die Azubis sie nutzen, ist natürlich eine andere Sache. Aber Deutschland braucht diese Jugendlichen.“ Die schnelle Erteilung eines sicheren Aufenthaltsstatus würde jedenfalls nicht nur Najafi Sicherheit geben, sondern auch Murat Akpınar, der in ihn investiert. Arzu Pehlivan bringt es auf den Punkt: „Wir haben zwar alle eine unterschiedliche Vergangenheit, arbeiten aber tagtäglich an einer ge- meinsamen Zukunft.“ WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 45 INTEGRATIONS MASSNAHMEN . - .

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz