FEBRUAR/MÄRZ 2026
Lernen für die Praxis Bachelor Professional, studienintegrierende Ausbildung oder Abiturientenmodell: Hamburg bietet eine Reihe praxisbezogener Alternativen zu einem reinen Studium – samt gleichwertigem Abschluss. Noch begrüßt die BHH ihre Studieren- den in der Anckel- mannstraße – doch zumWintersemester soll ein neuer Campus im Ausschläger Weg erö net werden. einen „Master Professional“. Eine attraktive, wenn auch, so Mohaupt, „leider viel zu wenig bekannte“ Op- tion, die auch auf Führungsrollen vorbereitet. „Unser Personalchef ist ursprünglich gelernter Tischler“, sagt etwa Dr. Kamilla Zak, Leiterin des Talent Hub bei der Haspa. „Erhat danacheineBankausbildungund später seinenFach- undBetriebswirt inder Bank gemacht.“ Interessierte können für solche und ähnliche Maßnahmen von einem Weiterbildungsstipendium von bis zu 9135 Euro über drei Jahre profitieren. Die Handelskammer wählt die (derzeit 840) Begünstig- ten in den IHK-Bereichen Hamburg, Hannover und Bremen aus –meist auf Grundlage der Prüfungsnote. Ausbildung mit integriertem Studium Was aber, wenn man studieren, aber möglichst viel Berufspraxis erwerben möchte? Viele entscheiden sich für ein „duales“ Studium. „Eine echte duale Be- rufsausbildung, in der praktisches Wissen nach ei- nem einheitlichen Rahmenplan vermittelt wird, macht man da allerdings meist nicht“, erklärt Fin Mohaupt. „Der Name ,duales Studium‘ ist nett, aber missverständlich.“ Eine Alternative ist die vierjährige „studieninte- grierende Ausbildung“, die junge Menschen mit (Fach-)Abitur seit 2021 an der BeruflichenHochschule Hamburg (BHH) absolvieren können: Neben einem akademischen Bachelor erwerben sie einen dualen Berufsabschluss. Zur Auswahl stehen BWL, Informa- tik und Angewandte Pflegewissenschaft (4,5 Jahre). Die Bewerbung erfolgt über das Partnerunternehmen, das auchdie übliche Ausbildungsvergütung zahlt. „Unsere Studierenden erhalten praktische Fer- tigkeiten im Ausbildungsunternehmen, breites Wis- sen über das gesamte Berufsfeld in der Berufsschule und akademische Kompetenzen für das Berufsfeld in der Hochschule“, beschreibt BHH-Präsidentin Prof. Insa Sjurts die Vorteile des Modells. „Die Phasen an den drei Lernorten sind in zusammenhängenden Blöcken strukturiert“, erläutert BHH-Pressespre- cher Johannes Noldt den Ablauf der ersten drei Jahre: rund 14 Wochen Berufsschule, 26 Wochen im Betrieb, sechs Wochen Hochschule im Jahr, außer- demEinzeltage für Seminare und Selbstlernzeiten. M uss man studieren, um Karriere zu machen? Ganz sicher nicht! Schließlich besteht auf dem Arbeitsmarkt schon heute ein weit grö- ßerer Bedarf an beruflich Gebildeten, und dieser Eng- pass könnte bis 2040 auf 195 000 Personen anwach- sen, so der Arbeitsmarktmonitor desHWWI. Auch wer ein gutes Abi in der Tasche hat, sollte daher nicht nur an ein Studiumdenken. „Man kann ja mal überlegen, ob eine Firma lieber jemanden hat, der frisch von der Uni kommt und noch nie einen Be- trieb von innen gesehen hat, oder jemanden, den sie selbst ausgebildet und der ,on top‘ einen ‚Bachelor Professional‘ gemacht hat“, sagt Fin Mohaupt, Leiter des Handelskammer-Teams „Schule undWirtschaft“. Höhere Berufsbildung Erst die reguläre duale Berufsausbildung, dann – nach etwas Berufspraxis – die Fortbildung zumFach- wirt oder zur Industriemeisterin mit IHK-Prüfung und damit der Erwerb eines „Bachelor Professional“: Dieser von Fin Mohaupt erwähnte Weg ist gerade auch für Menschen ohne Abitur interessant, zumal der Abschluss auch zumStudiumberechtigt. Entsprechende Kurse bietet die HKBiS, der Bil- dungs-Service der Handelskammer. Und wer sich da- nach zum Betriebswirt fortbilden lässt, erhält damit HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 42 FOTOS: ROLAND MAGUNIA/BHH, PRIVAT DUALE AUSBILDUNG
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