FEBRUAR/MÄRZ 2026

Wie sehr suchen junge Menschen in ihrer Ausbildung auch Orientierung und Verbundenheit über die Werte, wie sie bei Montblanc gelebt werden? Ob sie direkt danach suchen, weiß ich nicht. Aber wenn sie hier ankommen, merken sie, dass eben deutlich mehr dahinter steckt, als sich am Anfang vermuten lässt. Das sehen wir auch daran, dass unsere Fluktuation sehr gering ist. Unsere Werte wachsenmit in die Familien hinein. Etwa bei demKollegen, der sein 40. Dienstjubiläumgefeiert hat, während sein Sohn gleich- zeitig sein Zehnjähriges bei uns hatte. Zu unseren runden Jubi- läumsfeiern laden wir auch die Partnerinnen und Partner ein, weil wir Danke sagen wollen. Es soll eine ganzheitliche Erfah- rung sein, bei Montblanc zu arbeiten. Montblanc ist ein internationales Unternehmen, was auch für viele Azubis interessant ist. Wie stellen Sie diese Di- versität her? Wir haben Mitarbeitende aus 49 verschiedenen Nationen bei uns. Bei 1000 Mitarbeitenden am Standort in Hamburg ist das schon viel. In unseren Teams, etwa in Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung, verbinden wir gerne sehr unterschiedli- che kulturelle Einflüsse. Wenn wir für Japan, die USA, für Eu- ropa und denMittleren Osten produzieren, wollen undmüssen wir diese Kulturen auch verstehen. Gerade in unserem Headquarter haben wir diese Diversität in den vergangenen 15 Jahren enorm gesteigert. Mittlerweile be- kommen wir beispielsweise Bewerbungen auf eine Marketing- stelle direkt aus Argentinien oder Brasilien. Das verdeutlicht uns, wie groß die Strahlkraft der Marke ist. Und wie durchlässig dieseWelt mittlerweile geworden ist. Die Transparenz der Welt wird immens befördert durch die technologische Entwicklung. Gerade generative künstliche Intelligenz wird von jungen Menschen bereits sehr selbstverständlich genutzt. Welche Leitlinien entwi- ckeln Sie da bei Montblanc? Die junge Generation ist bei dem Thema schon viel weiter, als es viele Ältere im Unternehmen sind. In unsere Arbeit hält KI sukzessive Einzug. Während wir das Potenzial von KI nutzen, priorisieren wir Datensicherheit und geistiges Eigentum. Um unsere Unternehmensdaten und Geschäftsstrategien zu schüt- zen, haben wir mithilfe von Google Gemini eine eigene Anwen- dung innerhalb der Richemont-Gruppe entwickelt, die wir an- stelle von ChatGPT nutzen. Das Gen-AI-Tool „Agent 42“ unterstützt unsere Mitarbeiten- den etwa bei Texterstellungen oder Übersetzungen. Auch in der Produktion wird KI mehr und mehr eine Rolle spielen, zum Bei- spiel bei der Planung und der Optimierung von Prozessen. Un- ser Fachkräfte-Ausschuss in der Handelskammer hat Studien analysiert, die besagen, dass mehr als zwei Drittel aller Unter- nehmenmittlerweile KI einsetzen. Gerade als Führungskraft gilt es, nicht nur in Bezug auf technische Entwicklungen auf dem Laufenden zu sein, sondern auch strategisch und mental fit zu bleiben. Wie bilden Sie sich da weiter? Viel passiert bei mir über das tägliche Lesen. Und über die Dis- kussion, etwa in der Handelskammer, wo ich mich seit sechs Jahren engagiere. Am Anfang war ich da sehr skeptisch. Jetzt kann ich sagen: Diese Arbeit hat mich sehr geprägt und weiter- gebildet, weil ichmeinen Horizont dabei enorm erweitere. Was mir sehr wichtig ist: Zeit für Reflexion. Warum sind bestimmte Dinge gelaufen, wie sie gelaufen sind? Da hilft mitunter ein Coach. Dass es in Unternehmen immer normaler wird, mit Coaches zu arbeiten, ist eine sehr gute Entwicklung. Früher Wer Ausbildung noch so sieht wie vor 50 Jahren, wird keine Fachkräfte mehr binden können. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 24

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