FEBRUAR/MÄRZ 2026

Sascha Schneider, Chief People Officer bei Montblanc, sprach mit der HW über Perspektiven der Ausbildung und das Engagement Hamburger Unternehmen. SASCHA SCHNEIDER verantwortet seit 2013 als Chief People Officer (CPO) die Perso- nal- und Kultur- strategie der Montblanc Inter- national GmbH, wohin er 2009 als Global HR Di- rector wechselte. Zuvor war er un- ter anderem Head of Personnel Ser- vices International bei Tchibo und Head of HR Stra- tegy and Con- trolling bei der HSH Nordbank. Der gebürtige Ber- liner engagiert sich im Präsidium und Plenum der Handelskammer, wo er den Aus- schuss für Fach- kräfte und Ar- beitsmarkt leitet, sowie im Vorstand des Industriever- bandes Hamburg. Schneider ist Va- ter von vier Töch- tern und begeis- terter Sportler. MONTBLANC, 1906 im Schan- zenviertel gegrün- det, brachte 1909 seinen ersten Si- cherheitsfüller in Serie heraus und erwarb sich bald internationalen Ruf als Hersteller von Luxusfeder- haltern. Später kamen unter an- derem Armband- uhren, Schmuck und Lederwaren dazu. Seit 1989 residiert die Tradi- tionsmarke in Lu- rup, seit 1993 gehört sie zur Schweizer Riche- mont-Gruppe. In Hamburg besteht eine Diskrepanz, ein „Mis­ match“ zwischen unbesetzten Ausbildungs­ stellen und jungen Menschen ohne Ausbildungs­ vertrag. Wo hakt es am meisten? Sascha Schneider : In der Tat gibt es diese Diskre­ panz. Wir konnten 950 Stellen im vergangenen Jahr in den Hamburger Unternehmen nicht besetzen. Und auf der anderen Seite hatten wir 1400 Schul­ absolventinnen und absolventen, die keine Ausbil­ dungsstelle gefunden haben. Ideal wäre natürlich, die Lücke so klein wie möglich zu halten. Das Thema ist vielschichtig. Einerseits gibt es eine Vielzahl anAusbildungsberufen. Allein inderHandels­ kammer verzeichnen wir mehr als 140. Die Kenntnis darüber, welche Angebote existieren, ist noch nicht ausreichend vorhanden. Auf der anderen Seite sehen wir, dass Schülerinnen und Schüler zum Teil die Vor­ aussetzungen nicht erfüllen, um erfolgreich in eine Ausbildung zu starten. Wichtig sind ausreichendeMa­ theund Deutschkenntnisse, Social Skills und Kon­ fliktfähigkeit bis zuLernundLeistungsbereitschaft. Das klingt so, als ob Aufklärung über und Vor­ bereitung für die Ausbildung noch viel früher und intensiver ansetzen muss, als das bisher üb­ lich ist. Sind da die allgemeinbildenden Schulen gefragt? Da passiert viel heutzutage, aber aus unserer Sicht noch deutlich zu wenig. Schulen sind das eine, aber die Verantwortung kann nicht alleine dort liegen. Auch das Elternhaus ist sehr wichtig. Wir sehen, dass die Ausbildung häufig keine Lobby hat, weil ein Studium oft noch als höchstes Ziel angesehen wird. Was können wir tun? Als Handelskammer haben wir verschiedene Formate entwickelt, mit denen wir versuchen, Ausbildungsberufe in der Breite dar­ zustellen. Wir haben vier Berufsorientierungsmanager eingestellt, die direkt an die Schulen gehen. Sehr er­ folgreich ist auch die Lehrstellenbörse mit mehr als 100 Ausstellenden. Online können Interessierte bei uns mit VirtualRealityBrillen ein Unternehmen er­ kunden. Zudem fordern wir Unternehmen dazu auf, gerade in den Sommerferien Praktika für Schülerin­ nen und Schüler anzubieten. Bei Montblanc arbeiten wir mit Stadtteilschulen aus der Umgebung zusam­ men und bieten immer wieder Führungen durch die Produktion an. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 22 PERSÖNLICH SASCHA SCHNEIDER

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz