FEBRUAR/MÄRZ 2026

UNDINE GERULLIS Auch wenn aller- orten Fachkräfte fehlen, ist auf- grund der schwa- chen Konjunktur zugleich die Ar- beitslosenquote in Hamburg ge- stiegen. Im De- zember 2025 waren hier 92 582 Menschen ar- beitslos gemeldet. Besonders betrof- fen waren junge Erwachsene zwi- schen 18 und 25 Jahren: Die Er- werbslosenzahl unter ihnen stieg im Jahresschnitt um 19,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der beste Schutz vor Arbeitslosig- keit bleibt eine solide Ausbildung. Berufe mit einem akademischen Abschluss bieten aber nicht die besten Zukunfts- aussichten, sagt Michaela Beck, Geschäftsführerin HKBiS. Besonders gefragt seien be- ruflich Qualifizier- te aus dem kauf- männischen Be- reich – noch vor der Gastronomie – sowie aus der IT. Im Rewe „Pick&Go“ nahe dem Schanzenviertel ist das Einscannen der Ware nicht mehr nötig: Durch die Erfassung von Kundenbewegungen und Artikelauswahl wird ein virtueller Warenkorb erstellt. Stephanie Schaub, Geschäftsführerin des Schokoladenmuseums Chocoversum satz von KI zu lösen. So hat zumBeispiel Rewe bereits seinen zweiten Innovationsmarkt in Hamburg eröff- net, in dem kontaktloses Einkaufen möglich ist. Ka- meras und Sensoren erfassen dort die Kundenbewe- gungen und die Artikelauswahl, der Warenkorb wird virtuell erstellt, die Bezahlung digital abgewickelt. Personal gibt es zwar weiterhin im Rewe „Pick&Go“, und auch die Team- größe von 48 Mitarbeitenden ist nach dem Umbau gleich geblieben. „Doch durch die Technologieunterstützung haben wir jetzt deutlich mehr Zeit für die Sortimentspflege und die Bera- tung“, erklärt Peter Muench-Polzin, Manager des Rewe-Marktes im Schan- zenviertel. „Das ist eine Entwicklung, die in unserer Branche rasend schnell voranschreitet und viele Chancen birgt“, so der „Ver- band des Lebensmittel-Einzelhandels Hamburg e. V.“ Wie schnell, zeigt Lidl, der Marktführer unter den Discountern: Aktuell wird jede zweite der mehr als 3250 Lidl-Filialen in Deutschland mit Selbstbe- dienungskassen (SB-Kassen) mit KI ausgestattet. Mit- hilfe einer Kamera erkennen diese Kassen eigenstän- dig das jeweilige Obst oder Gemüse, langes Scrollen durchMenüs entfällt. Für die Kundschaft soll sich auf diese Weise die Wartezeit verringern, Mitarbeitende sollen Zeit für andere Tätigkeiten gewinnen. NachAussage von Lidl- Sprecherin Michelle Müller werden sich die KI-Kas- sen aber nicht auf die Größe der Filialbesetzung aus- wirken. Ohnehin sind in den Hamburger Lidl-Ge- schäften aktuell 458 Stellen unbesetzt. In der Handelskammer-Konjunkturbefragung aus dem zweiten Quartal 2025 geht ebenfalls mehr als die Hälfte (58 Prozent) der befragten Unternehmen davon aus, dass der Ein- satz von KI in den kommenden fünf Jahren keinen Einfluss auf ihren Perso- nalbestand habenwird. Das gilt auch für das Schokoladen- museum Chocoversum, in dem der KI- Einsatz bereits selbstverständlich ist: „Beruflichen Alltag ohne KI gibt es bei uns nicht mehr“, sagt Geschäftsführe- rin Stephanie Schaub. Bei jedem Mee- ting sei die KI dabei und helfe bei der Ideenentwicklung. Seit ein paar Wo- chen nutze das Chocoversum zudem einen KI-ge- stützten Voicebot, der 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr Fragen zu Buchungen, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen „zuverlässig und gleichbleibend freundlich“ beantworte. „Früher in den Feierabend können wir zwar nicht, aber durch die KI werden Kapazitäten für neue Projekte frei“, so die 41-Jährige. „In keinem Fall wol- len wir unser Team verkleinern. Im besten Fall sorgt die KI dafür, dass 100 Mitarbeitende das schaffen, wofür sonst 180 nötig gewesenwären.“ HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 14 FOTOS: REWE, CHOCOVERSUM FACHKRÄFTE MANGEL

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