FEBRUAR/MÄRZ 2026

Armin Grams, Leiter der Bildungsplattform für Lebenslanges Lernen der Handelskammer Bäckermeister Thomas E enberger setzt auf migranti- sche Azubis – und möglichst vielfältige Ausbildungsinhalte. → Ausbildung für alle Aufgaben Einer, der sich bei dem Thema entspannt zurückleh- nen kann, ist Bäckermeister Thomas Effenberger. Der Chef von 21 Mitarbeitenden in sechs Hamburger Filialen ist einer vonwenigen, die von sich behaupten können, keinen Fachkräftemangel zu haben. Wie ist das möglich in einer Branche, die seit Jahren über Personal- und Nachwuchsmangel nicht nur in der Backstube, sondern auch imVerkauf klagt? „Eines meiner Geheimrezepte ist, dass in mei- nem Betrieb alle alles machen müssen – backen, aus- liefern, verkaufen“, sagt Effenberger. Ein zweites sei, Personen, die sich beworben haben, zu einem Zeit- punkt einzustellen, der in ihre jeweilige persönliche Lebensplanung passt – auch wenn etwa das Ausbil- dungsjahr schon begonnen hat. Sein drittes „Geheim- rezept“: die Personalsuche nicht auf deutsche Lan- desgrenzen zu beschränken. Aktuell beschäftigt Tho- mas EffenbergerMitarbeitende aus zehnNationen. „Ich habe mit der Einstellung ausländischer Ar- beitskräfte gute Erfahrungen gemacht“, berichtet der 69-Jährige, der die ansteigende Fluchtmigration von Beginn an als Chance für sich gesehen hat. Für die Be- schäftigung von beispielsweise Geflüchteten wirbt er nicht nur im Kollegenkreis, sondern auch als Mitglied im „Ausschuss für Fachkräfte und Arbeitsmarkt“ der Handelskammer. „Die größte Hürde ist die Sprache“, sagt Co-Chefin und Ehefrau Anne Effenberger. „Doch bei uns im Unternehmen gilt die Regel, dass überall nur Deutsch gesprochenwird.“ Dann seien die sprach- lichenProbleme schnell überwunden. Das kann Azubi Mohamed Mahmoud bestätigen. Der 29-Jährige aus Ägypten hat sich anfangs einwenig gesträubt, aus der Backstube in den Verkauf zu gehen. Doch dann bemerkte er nach eigener Aussage schnell, dass „die Kundennett sindundVerständnis zeigen“. Mindestens eine Bewerbung pro Woche erhält die Traditionsbäckerei. „Aktuell besonders viele aus Vietnam“, erzählt Thomas Effenberger, der nicht nur mit einer soliden Ausbildung, sondern auch mit günstigem Wohnraum bei der Personalsuche punk- tet und WG-Zimmer an Mitarbeitende über der Backstube in Eimsbüttel vermietet. Nur die Bürokratie mache ihm und seinem Be- trieb zu schaffen: „Die Beantragung einer Arbeits- erlaubnis kann viele Fallstricke bergen und sehr lange dauern.“ Zwischen Bürokratie und KI Effenberger ist nicht der Einzige, der sich eine Er- leichterung bei der Einstellung ausländischer Ar- beitskräfte aus Nicht-EU-Staaten erhofft. Knapp 50 Prozent aller befragten Unternehmen des Produ- zierenden Gewerbes haben laut einer Handelskam- mer-Umfrage vomHerbst 2024 diesenWunsch. Neben Bürokratieabbau wünschen sich die be- fragten Unternehmen eine Stärkung der beruflichen Bildung und weniger gesetzliche Vorgaben bei den Arbeitszeiten. Forderungen, die auch der „Verband des Lebensmittel-Einzelhandels Hamburg e.V.“ mit aktuell 100 Mitgliedern bereits mehrfach vorge- bracht hat. „Wie vielen anderen Branchen macht auch uns der Fachkräftemangel seit Jahren zu schaf- fen“, sagt ein Verbandssprecher. Die Folgen seien be- reits überall spürbar: Einschränkung der Öffnungs- zeiten, Verkleinerung des Angebotes oder komplette Geschäftsaufgaben. Die Großen der Branche versuchen das Perso- nalproblem mit Automatisierung und dem Ein- WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 13 FACHKRÄFTE MANGEL . - .

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