Februar / März 2020

HAMBURGER WIRTSCHAFT 60 MENSCH LICH FOTO: ULRICH PERREY Die Handelskam- mer steht kleinen undmittleren Mitgliedsunterneh- men, die in der Krise sind, schnell und unbürokra- tischmit Beratung, Vermittlung und speziellen Förder- programmen zur Seite. Ansprech- partner finden Sie online: www.hk24.de/ krisenberatung Ich hatte die Verträge nicht juristisch prüfen lassen – ein fataler Fehler. Meine größte Heraus- forderung Mit seiner 2008 gegründeten mar- ketbrands GmbH war Christoph Gola (46) sehr erfolgreich, stand aufgrund einer Fehlentscheidung aber eine Zeit lang vor dem Aus. Heute ist die Krise überwunden – auch mithilfe der Handelskammer. Z unächst lief alles fantastisch. Mit der Grün- dung meines eigenen Unternehmens market- brands imJahr 2008 begann einneuer Lebens- abschnitt. Das Geschäft mit dem Vertrieb von Haus- haltsgeräten der österreichischenMarke „Bob Home“ florierte, und ich gründete sogar noch eine zweite Firma: Die Nordica Coffee GmbH sollte den Kaffee zu den vonmir verkauften Kaffeemaschinen liefern. 2010botmir einniederländischerHersteller auch noch den Deutschland-Vertrieb eines Milchaufschäu- mers der Marke „Lattemento“ an. Innerhalb kürzester Zeit wurden wir Marktführer in diesem Segment. Die Nachfragewar sensationell, daher fokussierte ichmich zunehmend auf den Verkauf dieses Gerätes. Doch ich hatte die Verträge nicht juristisch prüfen lassen – ein fataler Fehler. Ich ging davon aus, die exklusiven Ver- kaufsrechte zu besitzen. Als ich feststellte, dass diese nur für den Handel unter der Marke „Lattemento“ gal- ten, war es zu spät: Parallel boten dieNiederländer das Produkt auch meinen Mitbewerbern unter anderen Markennamen an. Dies führte schnell zu einemÜber- angebot und folglich zu Preisschlachten. Die Umsatzeinbußen hätte ich wohl verkraftet. Irgendwann jedoch begannen die Geräte zu rosten, die Reklamationsrate schnellte in die Höhe. Aus großen BestellungenwurdenunzähligeReklamationen. Eigent- lichhätte ichdenHersteller inRegress nehmenkönnen: Bei einer Retourenquote von mehr als drei Prozent stand mir Austauschware oder eine Gelderstattung zu. Doch die Niederländer waren inzwischen pleite. Zuerst steckte ich noch die Gewinne, die über Nordica Coffee hereinkamen, ins Unternehmen. Ich pumpte all meine privaten Rücklagen hinein. Am Ende aber waren die Belastungen einfach zu groß – ich hatte auch noch einen Gründungskredit von 150 000 Euro zurückzuzahlen. Ich hatte mich zwar auf ein ab- solutes Minimum herunterreduziert, doch die ange- strebte Erholung war nicht in Sicht. Schließlich unterstütztemich das Krisenmanage- ment der Handelskammer: Ich bekameine Unterneh- mensberatung bewilligt. Mit der KapitalDock GmbH & Co. KG habe ich dann einen Sanierungsplan erar­ beitet undmit allenGläubigern einenVergleich umge- setzt. Dieser sollte das Fortbestehenvonmarketbrands sicherstellen. Der Schritt erwies sich als richtig. Inzwischen sind wir wieder auf Erfolgskurs. Dank neuer Partnerschaftenundeiner solidenFinanzierung starten wir erneut durch. Die Marke „Bob Home“, mit deren Deutschlandvertrieb im Jahr 2008 alles begann, gehört inzwischenuns. AuchNordicaCoffee entwickelt sich fantastisch. Unsere Kunden sind uns treu geblie- ben, und wir erfreuen uns am guten gemeinsamen Ge- schäft. Eine positive Grundhaltung, Mut zu unbeque- men Schritten und die richtigen Berater waren der notwendigeMix für einen erfolgreichenNeubeginn.

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