Februar / März 2020

44 FOTO: BEIERSDORF, HENRIETTE POGODA Fit im Job Die Digitalisierung macht Arbeit effizienter, aber erhöht den Druck auf die Mitarbeiter. Was bedeutet das für die Gesundheit? Und wie reagieren Unternehmen darauf? → W erviel amPCarbeitet, kenntdieSymptome vielleicht: Verspannung im Nacken, Schmerzen im Ellenbogen, Taubheit im Unterarm, Kribbeln in der Hand – alles Anzeichen für dasRSI-Syndrom(Repetitive-Strain-Injury-Syndrom), auch „Mausarm“ genannt. Ursache: einseitige Belas- tungwiehäufigesKlickenderComputermaus. Rebecca Goßmann hat mittlerweile fast täglich mit solchen Fällen zu tun. „Die digitale Transforma- tion der Arbeit ruft ganz neue Krankheitsbilder her- vor“, sagt die Leiterin des operativen Betrieblichen Gesundheitsmanagements der Beiersdorf AG. Doch körperliche Leiden sind nur ein Teil des Problems: „Psychische Belastungen nehmen im Vergleich zu körperlichen zu“, soGoßmann. Dazupassen auchdie Erkenntnisse der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK): Unter ihren Mitgliedern etwa ist die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen von 2009 bis 2018 um knapp 80 Prozent gestiegen. Und laut DAK-Gesundheitsreport liegen diese mit 15,2 Pro- zent bereits auf Rang drei der häufigstenKrankheits- arten. „Das liegt ander gefühltenSchnelligkeit dieser durchdigitalisiertenWelt“, glaubt Goßmann. Digitalisierung als Krankheitsgrund Die Arbeit wird effizienter – die Menschen scheint das zunehmend zu überfordern. Doch weshalb ei- gentlich? „Es ist zumeinen die Informationsflut, die auf uns einprasselt, und zum anderen die ständige Erreichbarkeit durch digitale Medien“, erklärt Dip- lom-Psychologin Julia Scharnhorst. Gerade das Thema Erreichbarkeit ist ein großes Problem – und massiv durch die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung bedingt. Nach Feierabend noch schnell eine Mail beantworten, vomHomeoffice aus kurz den Kollegen anrufen: „Es gibt keine Ruhepau- sen mehr, und die Abgrenzung wird schwieriger“, sagt die 59-Jährige. Das erhöhe den psychischen Druck und führe zu Stress und Überforderung. Das häufig zu lange Sitzen am Schreibtisch ohne Ausgleich durch Sport erhöht zugleich das Risiko für die „klassischen“ Bürokrankheiten: Mit nahezu je- dem vierten Fehltag (24,7 Prozent) waren Muskel- oder Skelettkrankheiten laut dem BKK Gesundheits- report 2018diegrößteUrsache fürFehlzeiten. GESUND- HEITSTAG Am Donnerstag, 2. April, veranstaltet die Handelskam- mer den 16. Ge- sundheitstag der Hamburger Wirt- schaft. Einen Tag lang erfahren Unternehmen, denen die Ge- sundheit ihrer Mitarbeiter ein Anliegen ist, alles Wichtige zu BGM: Sie können mit Experten spre- chen, Fachvor- träge hören oder an Workshops teilnehmen. Auf einer Messe lässt sich direkt Kon- takt zu Gesund- heitsdienstleistern aufbauen. Der Besuch der Veran- staltung ist kos- tenlos, Anmel- dung unter www.hk24.de . Beitrag zum „Wellbeing“: Beiersdorf hat seit 1938 eine eigene Kita Psychische Belastungen nehmen zu. REBECCA GOSSMANN

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