Februar / März 2020
HAMBURGER WIRTSCHAFT 34 FOTO: DAVID MAUPILÉ NEUE ARBEITSFORMEN ALEXANDER SIEBERT redaktion@hamburger-wirtschaft.de Wechsel der Welten Flexibler, transparenter, effizien ter: Immer mehr Betriebe setzen auf NewWork. Wie gelingt der Schritt in die neue Arbeitswelt? A ls Sebastian Keil das Jobangebot der Minis- try Group bekam, stellte er eine Bedingung: „Ich komme gern, aber nur für 32 Stunden an fünf halben Tagen.“ Sieben Jahre später ist Keil immer noch angestellt bei demUnternehmen: Er ist Geschäftsführer der Ministry-Tochter AntTrail – und das nachwie vor in Teilzeit. Für seine Bitte hatte der 45-Jährige seinerzeit einen guten Grund. Er arbeitete für eine große Hamburger Netzwerkagentur. Dannwurde er Vater. Und der Versuch, das Familienlebenmit seinem Job zu vereinbaren, scheiterte krachend. „Ich wollte immer zum Abendessen zu Hause sein“, sagt er. „Das hat auch geklappt. Der Haken daranwar leider, dass es danach zurück an den Schreibtisch ging.“ IDEEN- TAUSCH Mit demNetzwerk „Ministry of Work- life“ begleitet die Ministry Group Firmen in die neue Arbeitswelt. Ein Teil davon: die NewWork Peer- group. Hier treffen sich Unternehmer, Führungskräfte, Entscheidungs träger und Gestal- ter meist einmal imMonat, um ihre Firma fit zu ma- chen für die He- rausforderungen der neuen Arbeits- welt. Oder um sich über die neuesten Entwicklungen im Bereich NewWork auszutauschen, Vorträge zu hören oder Diskussionen zu führen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Infos unter worklife.ministry.de Also kündigte er seinen Job und kümmerte sich erst mal umSohn und Tochter. Dann kamMinistry. Die Vereinbarkeit von Kind und Karriere ist ei- ner der gewichtigen Gründe, warum Unternehmen Arbeit heute anders denken müssen als früher. Das Zauberwort heißt „NewWork“. „Und es wird immer wichtiger“, sagt Matthias Kunze, Gründer und Ge- schäftsführer von trendquest. Die Zukunftsagentur hat Studien erarbeitet, die sich mit den Bedürfnis- sen der „Generation Z“ beschäftigen – der Zehn- bis 20-Jährigen also, die jetzt und in Zukunft auf den Arbeitsmarkt drängen. „Work-Life-Balance ist die- ser Generation wichtiger als allen Generationen zu- vor“, sagt Kunze. Deshalb müssen sich Unterneh- men, die den Kampf um die Fachkräfte von morgen nicht verlierenwollen, zügig und radikal verändern. Neue Arbeitsstruktur, flexible Zeiten Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei vor allem in den New-Work-Modellen. Zum Beispiel in neuen Zeitre- gelungen wie Teil- und Gleitzeit oder Work-Life-Inte- gration, bei der Mitarbeiter während der Arbeitszeit auch private Dinge erledigen können, wenn sie im Gegenzug dazu bereit sind, auch in ihrer Freizeit Mails zu lesen. Aber die Veränderungen können auch noch viel weiter reichen und etwa die gesamte Organisation der Arbeit auf den Kopf stellen. Ein solcher Ansatz ist zum Beispiel der Kreativprozess „Design Thinking“: Kollegen unterschiedlicher Abteilungen werden in Teams eingeteilt, um nach dieser Methode gemein- sam Ideen zu finden. So hat jedes Mitglied einen eige- nen Blick auf die Arbeit, was neue Ideen befeuert. Ähnlich funktioniert das Prinzip des „Desk- sharing“, bei demMitarbeiter immer wieder den Ar- beitsplatz und damit buchstäblich die Perspektive wechseln, mit neuen Kollegen zusammenarbeiten und sich gegenseitig inspirieren. Welches Modell zu welchem Unternehmen passt, muss ausprobiert werden – ambesten in kleinen Gruppen. Auch die Ministry Group berät Kunden bei der Einführung von New Work (siehe rechts). Ihr Vorteil ist die eigene Erfahrung: „Rund 80 Prozent unserer Mitarbeiter sind imHomeoffice tätig, einige regelmä- ßig“, sagt Geschäftsführer Sebastian Keil. Elternzeit, Mutterschutz und Gleitzeit sind ebenfalls kein Pro blem – der Chef lebt es ja vor. „Ich muss meine Zeit gut organisieren“, sagt Keil über seine reduzierte 32-Stunden-Woche. Obwohl seine Kinder mit zehn und zwölf Jahren schon recht groß sind, kann er sich nicht vorstellen, noch einmal etwas zu ändern. Sebastian Keil imHomeoffice
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