Februar / März 2020
HAMBURGER WIRTSCHAFT 28 PERSÖNLICH FRANK KOHL-BOAS Wir müssen Innovation unterstützen, aber auch initiieren und ermöglichen. Müssen zeitgemäße Personaler also nur mode- rierend in Innovationsprozesse eingreifen und auf dieWirkung warten? Wir müssen beides: Innovationsprozesse unterstüt zen, aber auch initiieren und ermöglichen. Gerade Personaler verantworten Prozesse und Praktiken mit großem Einfluss auf die Unternehmenskultur. Dazu gehören neben dem Verständnis für Märkte und Technologien Kenntnisse über Organisations dynamiken und Psychologie. Und die reichen bis zur Bereitschaft, Talente ziehen zu lassen, wennwir ihnen keine Perspektive mehr bieten können. Ich erlebe immer noch Vorgesetzte, die auf Kündigun gen beleidigt reagieren. Trennen Sie sich im besten Einvernehmen und bleiben Sie imKontakt, um spä tere Rückkehr nicht auszuschließen! Wie kriegt man in Zeiten des Fachkräfteman- gels die Besten ins Unternehmen? Indem ich ihnen auf Augenhöhe begegne und mir als Unternehmen etwa die Zeit nehme, Bewerbun gen schnell zu sichten, Zeitplan und Status des Be werbungsprozesses und gegebenenfalls die Gründe einer Absage zu kommunizieren. Das gebietet nicht nur der Anstand. Denn Bewerber teilen ihre Erfah rungen auf Bewertungsportalen und beeinflussen so stärker als je zuvor die Reputation des Unterneh mens als Arbeitgeber. Da der Bedarf nach guten Jobs ebenso hoch bleibt wie der nach guten Mitar beitern, wird jeder Kandidat zum Kunden, dem wir im Recruitment-Prozess größtmögliche Aufmerk samkeit widmen, um ihn an uns zu binden. Im Erfolgsfall funktioniert ein Medienverlag verglichen mit Google relativ formalistisch. Wie belastbar müssen Mitarbeiter da sein? Die Arbeitsverdichtung in unser aller Berufsleben nimmt durch IT-Tools, die vieles beschleunigen, zu. Da wir jederzeit und von jedem Ort aus arbeiten können, geht mit dieser Freiheit für Mitarbeiter, Vorgesetzte, Unternehmung allerdings auch die Verantwortung einher, der Entgrenzung von Privat- und Berufsleben entgegenzuwirken. Spätestens hier kommt eine Institution ins Spiel, die Sie früher kritisiert haben. Der Betriebsrat? Danke, dass Sie mir da die Chance geben, ein Missverständnis auszuräumen. Als ich noch bei Google tätig war, wurde ich von einer jetzi gen Kollegin bei ZEIT ONLINE gefragt, was sich für meinen Arbeitgeber ändern würde, wenn er auch in DeutschlandeinenBetriebsrat hätte. Da sichdort viele Mitarbeiter themenspezifisch selbst organisieren und die Unternehmensleitung alle über wöchentliche Belegschaftstreffen informiert, habe ich sinngemäß
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