Februar / März 2020
BLINDE ZEILE HAMBURGER WIRTSCHAFT 26 Seit Frank Kohl-Boas 2018 von Google zur ZEIT Verlagsgruppe wechselte, hat der Personalchef nicht nur das Recruiting modernisiert, sondern auch die Umgangsformen am Speersort. Ein Gespräch über Führung in Zeiten des digitalen Wandels. Frank Kohl-Boas, wenn man vom globalen Digi- talkonzern Google zum deutschen Presseverlag der ZEIT geht – wechselt man da nur den Plane- ten oder das Universum? Frank Kohl-Boas: Was Spirit, Kreativität und Lei denschaft derMitarbeiter angeht, kann die ZEITmit vielen großen Konzernen mithalten oder ist ihnen sogar voraus. Inzwischen sind wir ja ein Medien unternehmen mit vielfältigen Geschäftsfeldern, die über die reine Presse hinausgehen. Nichtsdesto trotz war dieser Schritt für mich mehr als nur ein Arbeitgeberwechsel. Allerdings weniger wegen der mangelnden Internationalität oder der Branche, sondern weil er in ein Unternehmen stattfand, das sich wie ein Familienbetrieb anfühlt. Betriebswirt schaftlich, aber auch kulturell sind da völlig neue Aspekte zu berücksichtigen. Haben Sie demnach bei Null begonnen, oder konnten Sie Ihr Wissen aus Firmen wie Unilever, Shell, Coca-Cola oder eben Google anwenden? Das hab ichmich auch gefragt: Wo darf, womuss ich wie Hand anlegen? Vieles beim Zeitverlag ist orga nisch und dabei sehr erfolgreich gewachsen. Mich ins Unternehmen zu holen, folgte da wohl dem Ge danken, dass eine Organisation mit 1100 Mitarbei tern andere Strukturen und Prozesse erfordert als jene, die mit der Hälfte der Belegschaft noch funk tioniert haben. Auch am Speersort kennt nicht mehr jede jeden; das bringt neue Anforderungen an Transparenz, Fairness, Kommunikationmit sich. Alles gebündelt in Ihrer Person? Nur teilweise. Schon vor meiner Ankunft wurde eine Initiative zum Wandel gestartet und eine Gruppe ge
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