Februar / März 2020

HAMBURGER WIRTSCHAFT 14 POSITIONEN DER PARTEIEN Wie lauten die Pläne Ihrer Partei, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, attraktive Rahmenbedingungen für Auszubildende zu schaffen und die Schulen für die Digita­ lisierung zu ertüchtigen? Wir wollen die digitale und ökologische Trans­ formation in Hamburgs Betrieben vorantrei­ ben. Dazu werden wir ein Förderprogramm aufsetzen, das kleinen und mittleren Unternehmen hilft, ihre Betriebsabläufe zum Beispiel durch ressourcenschonende Technologien anzupassen. Auch durch eine umfassende Reform der Lehrer*innenausbildung soll dem Fachkräfte­ mangel begegnet werden. Wir wollen eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrkräften im Vorbereitungs­ dienst und eine geringere Unterrichtsverpflichtung in den ers­ ten drei Jahren ihrer Tätigkeit. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass jede*r Lehrer*in in Hamburg mit dem Schulstruktur­ frieden in Zukunft mindestens A13 verdienenwird. Wir haben eine Fachkräftestrategie eingeführt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Nach dem Inkrafttreten des neuen Fachkräfteeinwanderungs­ gesetzes des Bundes wollen wir aktiv die Fachkräfte aus aller Welt nach Hamburg holen, die wir benötigen. Mit der Schaf­ fung von 2500 neuen Wohnheimplätzen sowie der neuen „Be­ ruflichen Hochschule Hamburg“ werden die Rahmenbedin­ gungen für Auszubildende noch attraktiver. Die Digitalisierung der allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen werden wir vorantreiben, etwa durch die Installation von geschütztem WLAN und digitalen Tafeln in allen 13000 Unterrichtsräumen sowie die Beschaffung von 50000 Laptops und Tablets. Unsere Lehrkräfte sollen hierzu gezielt fortgebildet werden. Wir wollen mit den Nachbargemeinden eine Wohnungs- und Verkehrsstrategie entwickeln, die das Leben und Arbeiten in und um Ham­ burg attraktiver macht, sowie Aus- und Weiterbildung gezielt fördern. Wir setzen auf qualifizierte Zuwanderung, flexible Ar­ beitszeitmodelle und die duale Ausbildung – und wir wollen mehr Wohnheimplätze für Auszubildende. Ein Programm zur Förderung von Auszubildenden soll besonders motivierte und begabte Auszubildende fördern und sie gezielt auf Bachelor- und Masterstudiengänge vorbereiten. Dafür halten wir Part­ nerschaften zwischen Schulen und Betrieben für sinnvoll, da sie jungeMenschen für das Handwerk begeistern können. Wir fordern, dass Jugendliche ohne Schulab­ schluss zunächst eine Ausbildungsvorberei­ tung besuchen und dann nahtlos in eine Berufsausbildung wech­ seln können. Solange die Unternehmen Ausbildungsplätze nicht in ausreichender Zahl bereitstellen, soll dies die Stadt Hamburg im Rahmen einer außerbetrieblichen Ausbildung übernehmen. Betriebe, die nicht ausbilden, sollen zur Finanzierung der außer­ betrieblichen Ausbildung im Rahmen einer länderbezogenen Ausbildungsumlage herangezogen werden. Unternehmen, die ausbilden, werden von den Prüfungskosten und Kosten für die überbetriebliche Ausbildung befreit. In der Ausbildung soll ein steuerlich finanziertes und bedarfsgerechtes Ausbildungsgehalt gezahlt werden, das auch dieMietkosten berücksichtigt. Die Berufsvorbereitung und die berufliche Bil­ dung in den allgemeinbildenden und Berufs­ schulen müssen die Schüler besser als bislang vorbereiten. Schüler brauchen bereits vor Beginn einer Ausbil­ dung eine realistische Vorstellung vom Arbeitsalltag. Nur so kann Fachkräftemangel an der Wurzel gepackt und Ausbil­ dungsabbrüchen vorgebeugt werden. Dazu müssen auch die Lehrer über das entsprechende Know-how verfügen. Außer­ demmuss den Schülern schon früh ein umfassendes Verständ­ nis für die ThemenUnternehmertumundUnternehmensgrün­ dungen vermittelt werden. Die Schulen wollen wir durch eine sinnvolle Erweiterung der Präsenzlehre durch digitale Techno­ logien für die Digitalisierung ertüchtigen. Dem Fachkräftemangel in einzelnen Berufen muss durch eine Stärkung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) in den Schulen begegnet werden. Es muss eine qualifizierte Zuwanderung nach kanadischem Modell geben. Berufsberatungen müssen flächendeckend an allen Schulen eingeführt und ausgebaut werden. An Stadtteilschulen soll ab Jahrgangsstufe 8 jährlich ein berufsorientiertes Praktikum durchgeführt werden. Azubis von Mangelberufen sollen einen Extrabonus für das Fahren mit dem ÖPNV sowie ein Extra­ wohngeld erhalten. Eine Digitalisierungsoffensive an Schulen muss von Fachdidaktikern sowie von Vertretern aus Wissen­ schaft, Wirtschaft und Verwaltung begleitet werden.

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