Februar 2018

HAMBURGER WIRTSCHAFT 02 / 18  BÜCHER 46 BÜCHER Stadtgeschichte Hamburgensien Ein Hamburg-Buch, das auch Nicht-Hamburger interessieren dürfte: Matthias Schmoock, seit über 20 Jahren Redakteur beim „Hamburger Abendblatt“, erzählt in seinen 30 Geschichten unter anderem von Ereignissen, in denen die Hansestadt Weltgeschichte schrieb. So machte der schwedische Fabrikant Alfred Nobel, dessen deutscher Firmensitz ab 1868 an den Großen Bleichen lag, die bahnbrechende Erfindung des Dynamits nahe der Hamburger Dorfschaft Geesthacht. Und Karl Marx übergab das Manuskript seines Weltbestsellers „Das Kapital“ 1867 in Hamburg an seinen Verleger. Der Schöpfer des Marxismus wohnte damals gegenüber der Börse von 1841, dem Standort der Commerz- Deputation – die im Jahr seines Besuchs in Handelskammer umbenannt wurde. Schmoock bringt aber auch kleinere Geschichten. Etwa die von Autor Samuel Beckett, dem der Michel gar nicht gefiel („unglaublich schrecklich und funktional“). Matthias Schmoock: „Ereignisse, die Hamburg prägten“; Ellert & Richter; 2017; 168 Seiten; 16,95 Euro Bildband Ästhetik des Waschbetons Das „Hamburger Abendblatt“ nennt sie „die seltsamste Straße der Stadt“: die Große Bergstraße in Altona. Als sie 1966 in eine Fußgängerzone umgewandelt wurde, war sie eine der ersten autofreien Einkaufs- straßen Deutschlands. 1973 folgte das Frappant-Einkaufszentrum, doch bald be- gann der Verfall des einstigen Vorzeigeob- jektes. Fotografin Johanna Klier dokumen- tiert die Entwicklung der Straße seit 2010 mit beeindruckenden Fotos, die sie um Bilder ab dem Jahr 1900 ergänzt. Historike- rin Sylvia Necker beschreibt den Verände- rungsprozess und bekundet ihre Sympathie für die Architektur der Nachkriegsmoderne, die andere als „Waschbetonbrutalismus“ bezeichnen. Insgesamt ein faszinierender Rückblick auf einen kleinen Ausschnitt Hamburger Stadt(teil)geschichte. Johanna Klier, Sylvia Necker: „Die Große Bergstraße“, Dölling und Galitz Verlag; 2017; 208 Seiten; 29,90 Euro Erfolgsstory Die Wunder- Brüder Das Miniatur Wunderland hatte 2017 rund 1,4 Millio- nen Besucher – und gilt seit der Jahresbefragung der Deutschen Zentrale für Tourismus als beliebteste deutsche Se- henswürdigkeit. Frederik und Gerrit Braun haben die größte Modelleisenbahn der Welt erfunden, konzipiert, clever vermarktet und zur beispiellosen Erfolgsstory eines Ham- burger Start-ups gemacht. Vor wenigen Wochen sind die Zwillingsbrüder zusammen 100 Jahre alt geworden. Pünktlich ziehen sie eine erste große Bilanz, nehmen den Leser mit in Kindheitstage, Disconächte, Gründer- zeiten. Fast mit Staunen, immer mit einem selbstkritischen Augenzwinkern blicken die beiden auf ihre anhaltende Partnerschaft, auf das, was sie erreicht haben – und auf das, was sie ihrer Stadt durch gesellschaftli- ches Engagement zurückgeben. Nicht ganz ohne Stolz… und das völlig zu Recht. Frederik und Gerrit Braun: „Kleine Welt, großer Traum“; Atlantik/Hoffmann und Campe Verlag; 2017; 240 Seiten; 15 Euro Biografie Gründerlegende Paris, London, New York: Unter- nehmer Eugen Block war beruf- lich schon in der ganzen Welt zu Hause. Doch es war in Ham- burg, wo er 1968 sein erstes Block House im Grindelhof eröffnete. Heute zählen hierzu- lande 40 Steak-Restaurants, zwölf Filialen des Burger-Lokals Jim Block und das Brauhaus Blockbräu zu seinem Imperium. Aber wie hat er das geschafft? Autor Jens Meyer-Odewald begleitet die Gründerlegende von seiner Kindheit bis zum großen Durchbruch. Dabei erfährt man nicht nur Wissens- wertes über die Philosophie des Gastronomen („Ich möchte Mitarbeiter zu Mit-Unterneh- mern machen“), sondern auch über den Privatmenschen Block. So war die geschäftliche Trennung von seiner Schwester Marlies eine große Heraus- forderung für die beiden Ge- schwister („Ein solcher Schritt schmerzt“). Eine lesenswerte Erfolgsstory, wie sie nur das Leben schreiben kann. Eugen Block (Herausgeber) und Jens Meyer-Odewald (Redaktion): „Eugen Block: Gründer und Hanseat – Sturm- fest und erdverwachsen“; Zeitungsgruppe Hamburg; 2017; 320 Seiten; 19 Euro

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