Februar 2018
FOTOS: LUNO-GRUPPE /VIKTORINA RODIONOVA HAMBURGER WIRTSCHAFT 02 / 18 MÄRKTE 26 „Fantastische Möglichkeiten“ Russland-Experte Mirco Nowak sieht im Gespräch mit der HW großes Potenzial für die Zusammenarbeit von Hamburgs und Moskaus Medizinwirtschaft. M irco Nowak, Geschäftsführer der LUNO-Gruppe in Hamburg, en- gagiert sich seit über 25 Jahren in Russland – zunächst als Pionier für die Behandlung russischer Patienten in deut- schen Kliniken, später als Systemlieferant für Medizintechnik. Über 100 russische Kliniken hat er modernisiert und oft schlüsselfertig mit westlichen Anlagen und Geräten ausgestattet. Parallel grün- dete er im Jahr 2002 die Medicatus Hol- ding AG, die sich mit dem Erwerb und der Vermarktung von Produkten und Paten- ten aus der russischen Biomedizin und mit dem Know-how-Transfer und Ärzte- austausch aus Deutschland für medizini- sche Einrichtungen in Russland befasst. HW: Wo liegen Russlands Stärken im medizinischen Bereich? Mirco Nowak: In der Immunologie genießen russische Forscher und Ärzte seit jeher national wie international hohe Anerkennung und leisten Herausragen- des. Gerade im Bereich der personalisier- ten Immuntherapie unter Einsatz körper- eigener Zellen und Blutkomponenten hat Russland viel Erfahrung. Auf dieser Basis bauen wir auf und wollen durch unser En- gagement vor Ort und mit Unterstützung deutscher Technik und deutschem Know- how die Therapien weiterentwickeln und international vermarkten. Dazu gehören auch zukunftswei- sende Ansätze aus der personalisierten regenerativen Medizin, bei der ich Russ- land eine Vorreiterrolle zutraue. Es gibt aber noch Hindernisse: Russen können zu wenig Englisch, und viele dürfen seit Beginn der Sanktionen auch nicht mehr ins Ausland reisen. Hamburg, Deutschland und die Welt MÄRKTE chen. Neben der Behandlung russischer Patienten in hiesigen Kliniken könnten die Eingangsdiagnostik optimiert, Be- handlungsprotokolle transferiert und die Anschluss-Reha in Russland gemeinsam entwickelt werden. Eine Win-Win-Situa- tion für alle Beteiligten. HW: Wie beurteilen Sie das Marktpoten- zial in Russland? Sehr lukrativ! Mehr als die Hälfte der 5000 staatlichen russischen Kliniken lei- det unter veralteter Technik. Die Markt- situation im Export von Medizintechnik ist aber durch die Lokalisierungspolitik Russlands sehr schwierig. Wir begreifen das als Chance für neue Aktivitäten in der angewandten Medizin. Neben dem For- schungslabor für Immunologie und Zell- technologien im Moskauer Zentrum in- HW: Was läuft gut in der Zusammenarbeit mit Russland? Das russische Gesundheitsministe- rium unterstützt aktiv eigene Forschungs- betriebe, aber auch ausländische Investo- ren bei der Marktetablierung. Mit Skolkowo wurde in Moskau ein internati- onal ausgerichtetes Forschungs- und In- dustriegebiet nach dem US-Vorbild Sili- con Valley geschaffen. Hier sollen künftig nicht nur hochmoderne Technologien entwickelt werden, sondern auch westli- che Ärzte nach neuesten Erkenntnissen und ohne große Gesetzeshürden prakti- zieren können. Damit würde der Medizin- tourismus, der sich seit vielen Jahren gut entwickelt und in dem besonders auch Hamburger Kliniken seit Beginn maßgeb- lich mitwirken, eine neue Ebene errei- „Russische Forscher leisten Herausragen- des“, so Mirco Nowak
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